Freitag, 26. April 2013

The Former Jewish Ghetto and Tilanqiao's Lively Street Market



So kommt man zum ehemaligen jüdischen Ghetto: Shuttlebus zum Flughafen, Metro Linie 10 bis Ha Lun Road, umsteigen in die Circle Line 4, (übrigens kein Problem die richtige Fahrtrichtung zu finden, denn auf dem Display vor den Einstiegen  werden sowohl die vorige als auch die nächste Station mit angezeigt), zwei Stationen bis  zur Dalan Road und schon kann der Rundgang beginnen. 
Die Fahrt mit der Metro dauert ungefähr eine Stunde und es sieht so aus, also ob man in der Linie 10 auch immer noch einen Sitzplatz ergattern kann.
Dank des Stadtführers „Shanghai Walks“, den wir  im „Old China Hand Reading Room“ gekauft hatten und in dem dieser Rundgang  hervorragend beschrieben ist, wurde es ein erlebnisreicher Tag. Natürlich war nichts mehr so, wie ich es in den Büchern über diese Zeit gelesen habe, ich denke im Augenblick besonders an das Buch von Vivian Kaplan: „Von Wien nach Shanghai“, aber es war sehr interessant.


Bild auf dem Umschlag des Buches "Von Wien nach Shanghai"

In der Beschreibung  des Rundgangs heißt es:
This walk in the former International Settlement is a good juxtaposition of past and present, and definitely off the beaten track. The first part of the walk traces the past lives and environments of the thousand of Jewish refugees that were cordoned into what became known as the Jewish Ghetto during the Second World War.
The latter part of the walk plunges the reader into the middle of a colorful and bustling street market that stretches for blocks, a form of community life that is slowly disappearing from the metropolitan area.

Das will  ich hier nun mit einigen Bildern und kurzen Texten veranschaulichen.


Am Ausgang 3 der Metrolinie 4 zur Changyang Road, wo der Rundgang beginnt,  erwartete mich ein überraschender Ausblick auf Pudong. Damit hatte ich nicht gerechnet, aber hier macht der Huangpo  ja einen großen Bogen, so dass man auf Pudong blickt.

 Auf meinem Weg zur alten Synagoge  kam ich an der Rückseite eines alten lilong Komplexes vorbei, which has over the last years been beautified, at least on the outside. Das ist immer wieder interessant, weil mir so langsam klar wird, wie unterschiedlich die alten Wohngebiete waren und noch immer sind. 


Auf der rechten Seite erschien kurz darauf der große Komplex des „Shanghai Tilanqiao Jail", den man nicht fotografieren darf. Dieses Gefängnis existiert schon seit 1941 und spielt in der Geschichte der Besatzung Chinas und Shanghais  eine leidvolle Rolle.

Throughout the first forty or so years of its life it was the largest prison in the world and earned a reputation as the "Alcatraz of the Orient" (wikipedia.org)

Hier ein Foto aus dem Internet
Gegenüber dem Gefängnis liegt das  frühere „Ward Road Heim“, in dem  ab 1939 viele  jüdischen Flüchtlingen untergebracht waren.
The cluster of concrete estate blocks is undergoing basic renovation with fresh slabs of paint and plaster. But one can imagine the cramped and challenging conditions for the growing number of Jewish refugees, flooding into Shanghai in the late 1930s.



 Am Durchgang zum Innenhof  findet sich folgendes Schild:



Der Blick auf die Rückseite, die man sieht, wenn man den Innenhof betritt,  war  sehr malerisch. Die Wäsche flatterte vor allen Fenstern und wenn man das Foto auf die Seite legt, hat man das Gefühl, als wäre man in einem Seglerhafen und alle Segel flattern im Wind.


Nachdem ich die Zhoushan Road überquert hatte, stand ich bald vor dem  „Shanghai Jewish Refugees Museum“, dem eigentlichen Grund  meines heutigen Ausflugs. In der früheren Synagoge, die jetzt einen großen Teil des Museums beherbergt, wird den Besuchern die Geschichte des Holocaust nahegebracht. Hier kann man auch Nachforschungen über Menschen anstellen, die damals nach Shanghai geflüchtet sind.

 Im zweiten Teil, untergebracht in zwei sehr modernen, wenn auch kleinen Ausstellungshallen im Innenhof, wird dann die Geschichte der Juden in Shanghai behandelt. Da war sehr interessant. Es gab viele Berichte von Zeitzeugen, Filme, Diarahmen und Bücher, die über die Zeit in Shanghai geschrieben worden sind.






  Im Innenhof wurde gerade eine Wand mit alten Hausinschriften und Namen von Geschäften aufgebaut, die man vor dem Abbruch gerettet hatte.




  Hier habe ich mich sehr lange aufgehalten und mir dann noch das Buch von Rena Krasno „Strangers Always, A Jewish Family in Wartime Sahnghai“ gekauft. 


Der Weg führte weiter über die Zhoushan Road, mit etwas heruntergekommenen aber eigentlich sehr schönen Shikumenhäusern.  In dieser Straße, die, wie es im Führer heißt, früher „Klein Vienna“ genannt wurden, sind heute noch die alten Geschäfte zu  erahnen. 



Vergleicht man diesen Eingang mit dem Eingang zum Shikumen Museum, so sieht man, dass es der gleiche Haustyp ist.




Am Ende der Straße angelangt, sieht man auf der gegenüberliegenden Seite schon den Eingang zum Ho Shan Park. Der kleine Park war besonders interessant, weil der Rundweg gleichzeitig eine Tartanbahn ist.  Das hatte ich noch nie gesehen. 

Auf meinem Weg durch den alten Stadtteil kam ich auch am ehemaligen Broadway Theater vorbei, mit seiner noch gut zu erkennenden Art Deco Fassade.



Built in 1928, the Broadway Cinema was central to social life in Shanghai’s Jewish Ghetto: in the afternoons, people would gather at the Café Roy opposite, before dancing the night away on the cinema’s rooftop. 

Und dann bin ich tatsächlich in ein kleines chinesisches Restaurant gegangen, es war mehr  eine Garküche, und habe es ohne ein Wort Chinesisch zu können geschafft, einen Teller Nudeln mit Fleisch und Gemüse zu bestellen. Ich war sehr stolz auf mich.


Auf meinem Programm stand dann der Xiahai Tempel, der mir sehr gut gefallen hat.









Ein Koi-Teich scheint zu jeder besseren Tempelanlage zu gehören.

Der Rückweg führte  durch das wirklich alte, sehr lebendige chinesisches Viertel mit kleinen Geschäften, die auch die Bürgersteige mit einbeziehen.  Hier gab es viel zu sehen und es hat großen Spaß gemacht, das bunte Treiben zu beobachten. 

Wie sich das Aussehen der Menschen  auf den Straßen verändert hat.
Malerische Wasserstelle, vor einem der Geschäfte.
Garküche
Hier wurde eine der typischen Opfergaben hergestellt, die man in allen Tempeln sieht. 
Ich durfte nur die Hand fotografieren.Alle Frauen wollten das Foto anschließend sehen und haben zustimmend genickt.
Die Wäsche wird mit langen Haken an die Leinen gehängt. 
Frischfisch



 Nach diesem fünfstündigen Bummel, ich hatte mir allerdings auch sehr viel Zeit genommen, war ich ziemlich müde und froh, dass ich das Metro System inzwischen so gut kenne, dass ich auf dem schnellsten Wege wieder nach Hause fahren konnte.

Und zum Verkehr: Man hat Sabine vor einiger Zeit  die Verkehrsregeln Shanghais  erklärt, die ganz einfach sind. „Der Stärkere hat immer recht!“ Zuerst kommen die Busse und Lastwagen, dann die Autos, dann die Motorräder, dann die Fahrräder und zuletzt die Fußgänger, egal ob die Ampeln rot, gelb oder grün anzeigen oder ein Zebrastreifen vorhanden ist.  Wenn man diese Regeln beachtet, klappt es ganz gut.

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