Montag, 7. April 2014

Ostern oder doch nur Qingming Festival?

Da Ostern weder Alexander noch die Kinder zu Hause sind und Ostern natürlich auch kein chinesischer Feiertag ist, habe wir kurzerhand, ohne die Familie zu informieren, Ostermontag um eine Woche nach vorne verlegt, denn heute ist Tomb-Sweeping-Festival, ein wichtiger chinesischer Feiertag. Es wird keiner merken. Sabine hat einen schönen Osterstrauß dekoriert und ich habe im Vorgarten meine „Tulpen“ aufgehängt.







Und jetzt sind alle weg. Alexander musste doch zu einem Meeting, Nike muss einer Freundin dringend bei Besorgungen für das große Treck-Meeting in Beijing in der kommenden Woche helfen und Titus, ja er muss heute mit seinen Freunden das Nachtreffen von Habitat for Humanity vorbereiten.
Also doch nur Qingming-Festival (Tomb-Sweeping-Festival), Gelegenheit, sich mal einen Friedhof anzusehen. 
Der nächste Friedhof liegt am Beiqing-Highway, gleich um die Ecke. Noch vor wenigen Jahren lag dieses Gebiet außerhalb der Stadt, denn Friedhöfe befanden sich grundsätzlich außerhalb der Stadt. Nächstes Jahr soll der Beiqing Highway um eine Elevated Road ergänzt werden, da das Verkehrsaufkommen hier extrem hoch ist. Außerdem soll „unsere“  U-Bahn Linie 2 bis hierher verlängert werden. Das alles soll nächstes Jahr schon fertig sein. Das heißt aber nicht, dass es dann einfacher ist, den Highway zu überqueren, denn Ampeln sind nur zur Orientierung da. Man muss selbst bei grün höllisch aufpassen.

Gerade komme ich zurück. Es war sehr interessant.
Schon am Eingang empfing mich Weihrauchgeruch und leise, chinesische Musik.



Die Besucher holten sich am Eingang alle einen Blecheimer, der aussah wie ein einfacher Ofen.



Was wollten die Leute damit???? Ich bummelte den Hauptweg entlang und war sehr überrascht, dass die Gräberfelder fast alle gleich aussehen: Es gibt vielleicht drei Typen von Gräbern.


Grabtyp 1

Grabtyp 2

Grabtyp 3

Mitten durch den Friedhof fließt ein kleiner Fluss. Von der Brücke aus hat man einen schönen Blick auf die gesamte Anlage.



Und nach geraumer Zeit, ich hatte mir die ganze Zeit Gedanken darüber gemacht, wofür wohl diese Eimer sein könnten, sah ich die Erklärung: Natürlich! Die Angehörigen verbrennen vor den Gräbern ihrer Angehörigen Papiergeld, damit die Toten angenehm  „leben“ können. Außerdem kommt anschließend auch noch die Asche aus den Weihrauchgefäßen dazu. 





Wie Sabine gerade aus der Zeitung vorliest, haben sich die Bedürfnisse der Toten sehr geändert. Heute werden auch iPhones,Fernseher und sogar Autos aus Papier verbrannt. Doch das habe ich nicht gesehen.



In diesem Haus, gleich neben dem Eingang werden die Urnen beigesetzt.


Auf dem Rückweg habe ich an den slumartigen Wohngebieten links des Highways angehalten um ein Foto zu machen, aber nur, um es den, auf der anderen Seite des Hightways im Bau befindenen Hochaussiedlungen gegenüber zu stellen. 






Das ist ganz im Sinne der aktuellen Politik, „ Abriss nicht menschenwürdiger Wohngebiete, Umsiedlung, Verdichtung der Städte“.

Und da wir nicht bis Ostern warten wollten, ließen wir das Qingming Festival dann doch mit dieser Überraschung ausklingen.


Sarek-Challenge 2013
Titus, Nike, Ake, Jojo und Katja - Abseits der Zivilisation
Nike wusste sofort, was in dem Paket war und strahlte!
Die Begeisterung war groß!




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