Donnerstag, 11. Dezember 2014

Carrefour


 Eigentlich mache ich die alltäglichen Dinge hier in China sehr gerne, denn nur dann bekommt man ein bisschen vom wirklichen Leben mit. Also habe den wöchentlichen Einkauf beim Carrefour gerne übernommen. Xiao Yu holte mich pünktlich ab. Ich gucke während der Fahrt immer gerne raus, überlege, ob diese oder jene Elevated Road beim letzten Mal schon bestand, registriere den immer dichter werdenden Verkehr und die Hochhäuser, die rechts und links in die Höhe schießen und zwischendurch – Dreck. Beim Bau der neuen Straßen hat man sich mit den Anlagen rechts und links eigentlich viel Mühe gegeben aber wenn alles mit einer Dreckschicht bedeckt ist und überall zwischendurch die wilden Müllkippen die Ansicht verschandelt, wirkt nichts mehr. Immer wieder kommt man an kleinen Siedlungen vorbei, Slums? Das kann ich gar nicht beurteilen. Für ein westliches Auge sieht es so aus, Bretterbuden, Garagen, Hunde und trocknende Wäsche, Autoreparaturwerkstätten und so was ähnliches und Müll, Müll, Bauschutt und noch einmal Bauschutt. In nicht so ferner Zukunft werden auch diese Ansiedlungen verschwinden und die Leute in die Hochhäuser umgesiedelt worden sein.
Und dann waren wir am Carrefour,  Xiao Yu würde auf meinen Anruf warten, und ich stiefelte los. Sabine hatte mir einen Einkaufszettel gemacht und mich schon vorgewarnt, dass der gesamte Laden total umgeräumt worden wäre. Ich fand nichts. Wie sieht denn Puderzucker aus oder in welcher der 1000 verschiedenen Flaschen ist Essig? Das war ein Spaß! Ich habe Stunden gebraucht bis ich endlich alles gefunden hatte. Gut, dass eine Gemüseabteilung eine Gemüseabteilung ist und alles offen da liegt. Man muss nur daran denken, dass man an der Waage alles abwiegen lassen muss.
Jetzt musste ich nur noch Xiao Yu anrufen, doch……mein Handy war leer. Was machen???? Natürlich habe ich ihn nicht gesehen, denn es standen mehrere braune Buiks auf dem riesigen Parkplatz und alle hatten getönte Scheiben, so dass ich auch keinen Fahrer erkennen konnten. Würde Xiao Yu irgendwann merken, dass etwas nicht stimmte? Hatte ich überhaupt eine Nummer, die ich hätte anrufen können? Wen konnte ich um Hilfe bitten ohne chinesische zu können? Gott sei Dank fiel mir irgendwann die Visitenkarte in meinem Portemonnaie ein, auf der wenigstens Alex Mobil-Nummer noch  stimmen konnte.
Also habe ich gewartet bis ich einen großen, westlich aussehenden Mann sah, der zum Carrefour wollte. Ihn habe ich gefragt, ob er für mich bei Alex anrufen könnte und Gott sei Dank stimmte Alex Nummer noch. Das war gut ausgegangen obwohl sich ein Außenstehender kaum vorstellen kann, wie man sich fühlt, wenn man auf dem Parkplatz steht, das Auto nicht kennt, auf das man wartet, den Fahrer nicht erreichen kann und die Sprache nicht spricht, in der man sich verständigen könnte. Ich  war nahe daran in Panik zu verfallen.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen