Sonntag, 24. Mai 2015

Long Museum


 Wir haben heute das erst 2014 eröffnete Long-Museum besucht. Es liegt weit im Süden der Stadt und ist ohne Auto schwer zu erreichen.
Der folgende Artikel und die angefügten Bilder sprechen für sich. 

03.09.2014
Versunkene Galerie

Museum in Shanghai von Atelier Deshaus


Dient ein Gebäude der Kunst oder inszeniert es nur sich selbst? Das ist die entscheidende Frage bei jedem Museumsneubau, insbesondere dann, wenn ein reicher Sammler als Bauherr möglicherweise eher repräsentative Interessen verfolgt. Bei ihrem Long Museum am westlichen Bund in Shanghai finden die Architekten von Atelier Deshaus (Shanghai) eine meisterhafte Lösung für diese Herausforderung. Das Gebäude wirkt wie ein monumentaler Naturraum, in dem das explizit Menschgemachte der Kunst diese wie von selbst in den Vordergrund stellt.

Das Museum ist der zweite Bau, den das Sammlerpaar Liu Yiqian und Wang Wie innerhalb weniger Jahre errichten ließ. Gelegen mitten im sogenannten West Bund Culture Corridor, entstand es auf dem Gelände eines alten Kohlehafens, von dem noch die monumentale Transportbrücke zeugt. Diese wurde in Form eines öffentlichen Durchgangs in das Gebäude integriert, der zugleich den Grundriss programmatisch in einen Service- und einen Galerientrakt unterteilt.







In der Ansicht wirkt der Neubau fast, als habe man Louis Kahns berühmtes Kimbell Art Museum ein wenig platt gedrückt und gestapelt, wobei aus den länglichen Gewölben hier selbsttragende Wandfragmente wurden, die Atelier Deshaus als Schirme bezeichnet. Mit ihrer Höhe von zum Teil über zehn Metern wirken sie schon aus sich heraus beeindruckend, das besagte Gefühl einer archaischen Großmaßstäblichkeit stellt sich aber erst durch ihre unregelmäßige Anordnung ein. So entsteht ein fließender Raum, der auch dank der Oberlichter zwischen den Schirmen wirkt, als befände man sich in einem Wald zu Füßen riesiger Bäume. 




Die ungewöhnliche Architektur ist jedoch nicht allein das Verdienst von Atelier Deshaus, auch die Vergangenheit des Grundstücks hat ihren Teil beigetragen. Statt eines Museums sollte hier vor ein paar Jahren ein großes Parkhaus entstehen, dessen schon fertig gestellte Fundamente jetzt integriert wurden. Diese geben nicht nur den Rhythmus und die Spannweiten der Gewölbe vor, sie wurden auch als „versunkene“ Galerien östlich des Hauptgebäudes integriert.

Die Überreste des Industrie- wie auch des Automobilzeitalters verbinden sich also hier am Ufer des Huangpu zu einem wegweisenden Meisterwerk, auch wenn beides, die Industrie wie auch das Auto, in China noch auf lange Zeit hoch im Kurs stehen werden. (sb)
Gezeigt wurden die Arbeiten der beiden chinesischen Künstler
Xu Zhen und  Guan Liang.
Arbeit von Xu Zhen



Arbeit von Guan Liang


Am Ufer des Huangpo



Am Ufer des Huangpo mit der erst vor kurzem fertiggestellten Tartan Marathonstrecke



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