Mittwoch, 30. Dezember 2015

30.12.15 – Hugo Boss ASIA ART

Es beschleicht mich immer ein leichtes Unbehagen, wenn ich höre oder sehe, wie die Wirtschaft alles übernimmt. Jetzt also auch im Rockbund Art Museum.  Aber da ich mir die Ausstellungen im Rockbund Art Museum immer gerne ansehe, bin ich doch noch hingefahren, dieses Mal mit Shuttlebus und Metro. 

Am Flughafen war das Shikumen-Tor weihnachtlich dekoriert.

Auf dem Weg zum Rockbund-Art-Museum kam ich an dieser Häuserzeile vorbei, die noch deutlich den Einfluss Frankreichs zeigt.

Außer im Rockbund Art Museum war ich in der Shanghai Gallery of Art und habe noch einen Blick in die Ausstellung „Frameless Heads“ des Künstlers Hyong Koo Kang im Museum of Contemporary Art geworfen.



Die hyperrealistischen Gemälde waren schön, haben mich aber nicht gefesselt.  In der Shanghai Gallery of Art hat mir nur dieses Bild von „Dan Er“ gefallen,  vielleicht weil es in Verbindung zu meinem Interesse an den Abbruch – Gebieten steht.


Und dann lag dort dieses Buch aus. Soll ich es mir kaufen???


From the publisher: "The speed of change and modernization in Mainland China over the past ten years has stunned the world. The staging of the 2008 Beijing Olympics has accelerated that momentum even more. City construction has become the order of the day, the demolition of decrepitated areas of old cities and the disappearance of the traditional urban landscape providing the most visible essence of transformation. In this context, urban development becomes the vocabulary of the architectural revolution, and photography has never been so powerful. Zeng uses photography to register the dramatic changes that have swept through historic neighborhoods in the capital's ongoing modernization campaign. Featuring a collection of 150 works selected from over 6,000 images taken between 1997 and 2006, the photography book provides a lasting visual record of everyday urban environments in Beijing and other cities in the throes of rapid change. The hutong dwellings, standardized apartment buildings, and bustling factories of earlier decades have given way to soaring residential towers and glittering shopping malls. The publication represents a collective memory of our time of change, and promises to become an important documentation of China's present heritage. Zeng Li is one of China's most acclaimed stage and costume designers. His collaborations with renowned Chinese film director Zhang Yimou in various films and theatre productions have won him world-wide recognition."

Begeistert war ich dann doch wieder von der Ausstellung im Rockbund Art Museum. 


Kann ein kleines Museum eine solche Ausstellung überhaupt alleine stemmen?


Larys Frogier, RAM Director and Chair of the HUGO BOSS ASIA ART jury, elaborates on the concept of the exhibition, “HUGO BOSS ASIA ART supports each of the nominated artists in conceiving and achieving a powerful artistic statement related to their individual practice and research. The exhibition presents completely new productions and art projects of the utmost quality.” 
Curated by RAM and developed closely together with the participating artists, the exhibition demonstrates the rich diversity of practices these artists are developing in Asia. The selection of artworks ranges from painting to video art; from sculpture to installation and performance; from anthropological research to more conceptual and poetic representations; from observation of the localities to their formulation into a universal artistic statement.

Am besten gefallen haben mir die Arbeiten folgender Künstler:

Yang Xinguang (China): “The Immensitiy of Heaven and Earth”
Mont Saint Victoire, im Süden Frankreichs, spielt eine wichtige Rolle in der Kunstgeschichte. Die berühmte Bergspitze ist von vielen Künstlern der Moderne gemalt worden, wie Cézanne, Picasso, Kandinsky und anderen. Im Jahr 2014 ist Yang Xinguang auf den Mont Saint Victoire gestiegen. Als Künstler dachte er über die Erfahrungen und Arbeiten dieser Vorreiter nach sowie über die literarischen Eindrücken, die der Tang-Dichters Chen Zi‘ang in seinem Gedicht „On Yuzhou Terrace“ zum Ausdruck bringt.

„On Yuzhou Terrace“
Of ancient men, none are left
Of those to come, none are seen
I ponder the immensity of heaven and earth.
So lonely, so sad. Tears fall.

Um dieses Gefühl zum Ausdruck zu bringen, bricht er in seiner eigenen filmischen Performance in Tränen aus, nachdem er die Höhe erklommen hat und schluchzt bitterlich.



Vandy Rattana (Cambodia): „Bomb Ponds“
Seine Fotos haben einen direkten Bezug zur Geschichte Kambodschas. Auf dem Höhepunkt des Vietnam-Krieges bombardierte die US die Grenzgebiete Kambodschas zu Vietnam und Laos flächendeckend. Unzufrieden mit seiner eigenen Ignoranz dieser Zeit und den ungenauen historischen Aufzeichnungen entschied sich Rattana in den am meisten betroffenen Gegenden Kambodschas nach den Bombenkratern zu suchen.
Die Bombenkrater der damaligen Zeit sind heute von Gras überwucherte Tümpel, und obwohl Zeit und Natur die Landschaft verändert haben, sind die Wunden der Verwüstung noch immer sichtbar. Rattana versucht durch die Schönheit seiner Fotos einen Funken Hoffnung auszudrücken.




Moe Satt (Myanmar): „Faces And Fingers”
Diese Fotos sind Aufnahmen von Moe Satt’s Performances. In Anlehnung an die buddhistischen „mudras“ (Handzeichen),hat Moe Satt 108 Gesten dargestellt, die für die Kommunikation der Menschen untereinander wichtig sind.



Moe Satt (Myanmar): “Like Umbrella, Like KIng
Diese Installation besteht aus in Handarbeit hergestellten burmesischen Sonnenschirmen der Hafenstadt Pathein(Bassein). Die Sonnenschirme wurden aus Holz und Bambus hergestellt und die Schirme selber aus Seide. Die Seidensonnenschirme waren ein Symbol für Macht und Status und waren den Königsfamilien vorbehalten. Das einfache Volk durfte nur Schirme benutzen, die aus Papier hergestellt worden waren.
In seiner Arbeit zeigt Moe Satt diese riesigen Schirme, mit einem Durchmesser von 2,5 m, die aus verschiedenfarbiger Seide gefertigt sind. Diese teuren Schirme, deren Benutzung früher ein Privileg darstellte,  können von jedem benutzt werden. In die Schirme sind Reißverschlüsse eingenäht worden, so dass man die Form jedes Schirms verändern kann. Sie können die Form eines Baums annehmen, sich in ein Kreuz verwandeln oder in einen Schmetterling. Die Schirme können somit als Zeichen der Veränderung sozialer Strukturen, Systeme und der Hersteller verstanden werden.




Huang Po-Chih ( Taiwan): „Production Line”
Die Serie “Production Line” wurde 2014 in zwei Teilen in Shenzhen und Taipeh ausgestellt.
„Aunt Wu“ die eine kleine Stoffmanufaktur in Shenzhen (China) besitzt, stellte aus ihren Stoffen halbfertige Produkte her. Huang Po-Chih’s Mutter in Taiwan, schneiderte aus diesen Stoffen Blusen. Dieses Projekt macht die Warenflüsse deutlich und die Abhängigkeit der Menschen von diesem Prozess, der Hersteller und Konsument von einander abhängig macht.
Gleichzeitig ist der blaue Denim der Stoff, aus dem heute Jeans gemacht werden, aber er war lange Zeit auch die Farbe der Uniformen der Arbeiter und Arbeiterinnen in den Fabriken und auf den Märkten. Es ist die Farbe, die das kollektive Gedächtnis einer ganzen Generation prägt.




Die Bilder, Skulpturen und Videos  der Preisträgerin des „HUGO Boss ASIA ART Award for Emerging Asian Artists 2015“ Maria Taniguchi (Philippines) habe ich nur flüchtig betrachtet. . Ihre „brickworks“ waren interessant, haben mich aber nicht sehr bewegt.


Der Bummel am Bund entlang, machte deutlich, wie schlecht die Luftqualität auch heute war und trotzdem genossen die Männer im Park am People Square den "frühlingshaften" Nachmittag um sich die Zeit mit Kartenspielen zu vertreiben.


Dienstag, 29. Dezember 2015

29.12.15 – Rain Room – Yuz Museum

Nike hatte gesagt, die Installation "Rain-Room" müsse ich mir auf jeden Fall ansehen und so hat mich Xiao Yu heute  dorthin gebracht.  Sie hatte mir lange Schlangen vorhergesagt, aber da Dienstag war und ich schon um 12 Uhr da war, war es relativ leer.
Rain Room ist eine Installation der Künstlergruppe Random International.




This presentation of Rain Room at YUZ Museum in Shanghai is 

inspired by an exhibition at The Museum of Modern Art (MoMA) in

New York organized by Klaus Biesenbach, Director MoMA PS1

and Chief Curator at Large, MoMA with Hans-Ulrich Obrist, 

Co-Director of the Serpentine Gallery and supported by

Volkswagen Of America.

Rain Room is a large-scale environment of perpetually falling

water that ceases to pour wherever a person walks.





Es ist schon faszinierend, ein 150 qm große Installation rauschenden Wassers vor sich zu sehen, die man betreten können soll, ohne nass zu werden. Ich habe tatsächlich ungläubig gezögert, hineinzugehen. Aber tatsächlich, wenn man sich langsam vorwärts bewegt, wird man nicht nass. Es ist schön, durch die Installation zu laufen, dabei nicht nass zu werden und das Lichtspiel, das durch das extrem helle Gegenlicht und die sich darin bewegenden Menschen erzeugt wird, zu beobachten. Dreht man sich um, geht also mit dem Licht, so sieht man das Wasser nicht. Eine kindliche Freude ergriff die Menschen in der Installation, sie tanzten im „Regen“. 






Das war schön zu sehen, doch ich fand es schade, dass ich alleine war. Nike hat mir anschließend ein Foto von sich in der Installation überlassen.

Da das Museum sehr schön direkt am Huangpu liegt und das Wetter herrlich war, habe ich anschließend den Blick über den Fluss genossen und festgestellt, dass man zum Long-Museum hätte laufen können. 


Installation vor dem Yuz-Museum

Ein Blick über dem Huangpu mit dem Long-Museum zwischen den Kränen.

Aber wie hätte ich das Xiao Yu klar machen sollen. Also ließ ich mich wieder nach Hause fahren.

Montag, 28. Dezember 2015

28.12.15. – Abbruchgebiete

Heute habe ich endlich getan, was ich schon seit 2012, meinem ersten Besuch hier in Shanghai, machen wollte: Eine Dokumentation, wie ein Stadtviertel verschwindet und ein Neues entsteht. Ich bin mit dem Fahrrad zur Brücke über die Eisenbahnlinie gefahren und habe Fotos von dem leider inzwischen in Trümmern liegenden Wohngebiet gemacht. Vielleicht schaffe ich es ja noch, die Entstehung des Neubaugebiets zu dokumentieren. Nach dem Foto „The Future“ müsste es ein Teil des HUB werden.





Hinter den Autobahnbrücken sieht man eine der typischen  Hochhaussiedlungen.

Blick in die Richtung, aus der ich gekommen bin. Der Beqing Highway, der direkt an unserem Compound vorbeiführt, ist wie immer total verstopft.

Hier haben die Menschen sicher gerne gewohnt.


An diesem recht schönen Wohngebiet bin ich auf dem Rückweg zum ersten Mal vorbeigeradelt. Wer mag hier wohl wohnen?


Sonntag, 27. Dezember 2015

27.12.15 – Brunch für Freunde

Sabine hatte Titus einen Brunch für seine Freunde versprochen. Heute war der Tag. Titus Freunde von der SAS, die wie er über Weihnachten nach Hause gekommen waren, waren eingeladen worden, insgesamt 17 junge Leute, und alle waren gekommen. 


Das war ein Geschnatter  und Gelächter. Immerhin hatten sie sich seit der Graduation nicht mehr gesehen. Bis auf Roger, der auf seinen Platz an der Hotelfachschule in Lausanne warten muss, weil er noch keine 18 ist, waren alle anderen aus den USA gekommen, wo sie an den verschiedensten Universitäten ihr Studium begonnen haben.




Sie waren für 11:30 Uhr eingeladen worden und jetzt, es ist inzwischen 22:30 Uhr, sind fast noch alle da und spielen die unterschiedlichsten Gesellschaftsspiele mit großem Vergnügen.
Titus Freunde sind reizend.



Am nächsten Morgen.

Sabine und ich sind am Nachmittag in die neue Mall auf der Baole- Road gefahren. Wir wollten sehen, welche Einkaufsmöglichkeiten es dort gibt. Es war viel Betrieb, anders als in der Mall an der SAS. Interessant und gleichzeitig erschreckend fanden wir nur das "Indoor - Spieleparadies".




In diesem Brunnen mit schmuddeligem Wasser schwammen kleine Goldfische, zum Teil schon mit dem Bauch nach oben. Die Kinder konnten sie mit einem Casher angeln und in einen Behälter werfen.




Samstag, 26. Dezember 2015

26.12.15 – 2. Weihnachtstag: Smog, Smog, Smog

Eigentlich wollten wir gestern eine erste Radtour mit Sabines neuem Fahrrad machen und Titus wollte sein Longboard ausprobieren. Aber nichts konnte stattfinden. Der Smog war so schlimm, dass es nicht geraten war, nach draußen zu gehen. Also versuchte ich an meinem Blog zu arbeiten. Auch das klappte nicht, da die Verbindung zum Internet ständig zusammenbrach.
Und jetzt, es ist  acht Uhr morgens, ich gucke aus dem Fenster, die Suppe ist so dick wie noch nie. Und in der Zeitung steht:



 
Wir hatten also Glück, dass wir Beijing rechtzeitig verlassen hatten.

Frohe Weihnachten !!!!!

Am Nachmittag haben wir dann trotz des Smogs noch eine Tour zu "THE HUB", gemacht, einer gerade eröffneten Mall. Als THE HUB wird das Neubaugebiet zwischen dem Flughafen Hongqiao und Yuditown bezeichnet.. Vor drei Jahren stand auf dieser Fläche von ca. 10 qkm noch kein einziges Gebäude, jetzt ist hier  eine Stadt in der Stadt aus Glas und Stahl in Bau, die allerdings noch fast leer steht. Titus ist auf seinem Longboard gefahren, Alex mit dem Scooter und Sabine und ich mit den Fahrrädern. "Das ist das neue China!"  rief mir Sabine im Getöse der  hupenden Autos, Scooter und Baufahrzeuge lachend zu. Ich fand es sehr stressig.


The Future!!!

Und jetzt habe ich folgenden Text im Internet dazu gefunden:


On the top of the list is THE HUB, which will have a soft opening in the latter half of the year. Brought to us by the same team behind Shanghai Xintiandi—THE HUB will essentially be the Xintiandi of west Shanghai. It’s a massive 380,000-sq.-meter complex made up of F&B outlets, shopping mall, a five-star hotel, office spaces and a performance center that will be directly connected to the airport, high-speed rail and Metro lines.

“It’s becoming the next big area in Shanghai,” says Helen Lai, Assistant General Manager of Brand & Marketing for China Xintiandi. “There’s a demand for this type of complex here. Within a 10-15 minute driving radius, there are 14 international schools, a ton of villa compounds and high-end residential projects—and more coming—so the buying power is all here. The only thing missing are places to shop and spend leisure time.”
Hier zwei Fotos aus dem Internet.





Dieses Foto habe ich dann in der Mall selber gemacht:





In THE HUB wollten wir uns das neue Ausstellungszentrum ansehen, in dem die Ausstellung "Da Vinci" gezeigt wurde.  



Wir hatten Probleme die Mall zu finden und dann wurde es auch schon dunkel. Na ja, so ist es.


Donnerstag, 24. Dezember 2015

24.12.15 – Heiligabend



Heiligabend, das letzte Zettelchen aus dem Adventskalender musste erraten werden.


Da in China Weihnachten alle Geschäfte geöffnet sind, ließen Sabine und ich uns am Morgen in die Stadt fahren um die Sushis fürs Abendessen zu kaufen, einen Stop bei ZARA zu machen und noch Lebensmittel zu kaufen, die wir draußen bei uns nicht bekommen. Der Rest der Familie war zu Hause mit seinen Weihnachtsvorbereitungen beschäftigt. Anschließend musste ich noch dringend Gimas Kümmelkuchen backen, ein Muss beim „Deubnerschen“ Weihnachtsfest und der „Echte“ Weihnachtsbaum musste geschmückt werden. 


Weihnachtsbaum-Anhänger, den Sabine im Eagle-Shop bestellt hatte.
Wir waren beschäftigt, wie es überall so üblich ist. 

Und dann begann die Bescherung mit großem Gesang. Und das war schön. Ich bin immer wieder überrascht, mit welcher Begeisterung hier gesungen wird, ohne Ausnahme. Es klang toll und war ein bisschen witzig, dass fünf erwachsene Menschen in ein Weihnachtsliederbuch gucken, das schon seit mindestens 16 Jahren in Ehren gehalten wird.


Mein Weihnachtsgeschenk, ein wunderschöner Schal.
Sabine bekam ein neues Fahrrad, das war auch dringend nötig und Titus ein Longboard.  Ansonsten gab es wie immer viel zu viele Geschenke und trotzdem hat es Spaß gemacht, stundenlang auszupacken.  Anschließend freuten wir uns alle auf die Platte mit Sushi.




Es ist doch sehr schön, Weihnachten hier in Shanghai feiern zu können, ein richtiges Familienfest mit "Omi".

Und während wir ein luxuriöses Weihnachtsfest hier in Shanghai feierten, haben die Großeltern in Albersloh, wie wir später erfahren haben, zwei syrische Flüchtlingsfamilien aus der nahen Flüchtlingsunterkunft zum Tee eingeladen. Das hat uns sehr imponiert.