Sonntag, 15. Mai 2016

15.05.16 - Nachtrag

Am Nachmittag hat es angefangen wie aus Kübeln zu schütten. Und während ich die Zeit für letzten Eintragungen in meinen Blog genutzt habe, ist Nike mit Ihren Freundinnen zum Open-Air Konzert gefahren. Die jungen Damen scheinen sich gut amüsiert zu haben. 







Samstag, 14. Mai 2016

14.05.16 – Huang Yongping – Bâton Serpent III: Spur Track to the Left

Heute, am Samstagnachmittag, wollten Sabine, Alex und ich uns die Ausstellung von Huang Yongping in der Power Station of Art ansehen. Alex entschied sich dann allerdings doch für eine Jogging-Runde am Ufer des Huangpu, aber Sabine und ich sahen uns die Ausstellung an. Schon beim Betreten der Ausstellung hatte ich das Gefühl, dass mir irgendetwas bekannt vorkam, aber ich wusste nicht was. Erst als wir uns die Zeichnungen zu seinen Projekten ansahen, ging mir ein Licht auf. Bei den Skulpturprojekten Münster 1997 hatte ich die Arbeit  „100 Arms of Guan-yin“ von ihm gesehen und 2012 hier in der Powerstation seine riesige Arbeit „Thousand Hands Kuanyin“. 


„100 Arms of Guan-yin“ , Münster 1997
Ist das nicht erschreckend? Liegt es an den chinesischen Namen, die ich mir nicht merken kann oder….?

Auf jeden Fall ist diese Ausstellung sehr beeindruckend aber vor allen Dingen verstörend.

Kaum hat man die Powerstation betreten, steht man vor der raumfüllenden Arbeit „Head“. Aus einem halben Eisenbahnwaggon, der schräg in den Raum gestellt ist, sind 40 kopflose Tiere entwichen, die„orientierungslos“ auf dem Gleis und im Raum stehen. Ein ebenfalls kopfloser Bär steht an einer Weiche, so als könne er die auf links gestellte Weiche jeden Augenblick auf rechts stellen. Wie der Kurator schreibt, soll die Installation die Krise verdeutlichen, in der sich die Welt befindet.



"Head" ist die die Fortsetzung der Arbeit "Leviathanation", die er 2011 in Beijing gezeigt hat.




Von hier aus kommt man in den zweiten Raum, in dem ein Zirkuszelt mit Bambusstangen angedeutet ist, „Circus, 2012“. Aus der Spitze heraus bewegt eine überdimensionale, wunderschöne hölzerne Hand eine Affenmarionette, die auf der zweiten, zertrümmert am Boden liegenden Hand sitzt. Sie führt eine zweite Marionette, Affe oder Mensch,  nicht leicht zu erkennen. Auch hier sind es die kopflosen Tiere, die in alle Richtungen zu fliehen scheinen.







Sie führen auf die dritte Arbeit hin, die am Ende des Raumes steht, „Bugarach, 2012“. Der Bugarach ist einer der Berge der französischen Pyrenäen, von dem lange behauptet wurde, dass es der einzige Platz auf der Erde wäre, an dem man den für den 12. Dezember 2012 erwarteten Weltuntergang überleben könne. In diesem Berg steckt ein riesiger flacher Teller mit Tierköpfen, so als hätte man sie dem Berg als Opfer präsentiert.




Seht ihr das Katzenköpfchen? Nike war entsetzt!


Im letzten Raum der Ausstellung wird das Thema mit der Arbeit „Chef, 2012“ noch einmal aufgegriffen. Ein Dutzend ausgestopfter Tierköpfe sind der Größe nach auf einem langen Eisenspieß, der aus der Wand ragt, aufgespießt. Die Spitze, mit dem kleinsten Tier angefangen, stößt in eine rote Wand, einer Blutwand?



Dazwischen reihen sich Installationen wie  „The Pentagon, 2007 – 2010“, „Abbottabad, 2013“ und „Construction Site, 2006“. "Construction Site" entstand für die 10. Biennale Istanbul 2006. Von „Construction Site“ sieht man, wenn man in den Raum kommt, nur eine Spitze, die über einen Bauzaun ragt. Ist es eine abschussbereite Rakete, hinter einer schweren Abdeckung versteckt? Tritt man hinter die Abdeckung, so steht man vor den Turm eines Minaretts, der schräg auf ein Gerüst montiert ist. Wird das Minarett aufgerichtet oder.....? Die augenblickliche Weltlage lässt eigentlich nur eine Interpretation  zu.





Und dann gab es in der Vitrine, in der seine Projektentwürfe gezeigt wurden, noch diesen Hinweis auf eine Arbeit, die mich in Hinblick auf Palästina interessiert hat.









Im Ganzen werden 25 Arbeiten von Huang Yongping gezeigt, die über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten entstanden sind.
„In the process, the whole exhibition becomes an immense „hunting field“, in which humans, while fighting with each other, encounter and wrestle with all kinds of animals – real or imagined, and products – real or fantastic, man-made or naturally rendered. It’s a sublime picture of the world, at once alarming and exciting.” so Hou Hanu, der Kurator der Ausstellung.


Schön war dann der Abschluss des Tages mit dem Abendessen in den „Cool Docks“ und einem Drink auf der Dachterrasse des Hotels „Indigo Shanghai on the Bund“ mit dem herrlichen Blick über den nächtlichen Huangpu.


Blick auf den Huangpu und Pudong
Jinmoa Tower,  Shanghai Tower und Shanghai World Financial Center

Die Botschaft von Huang Yongping

„Change is the truth of life, 
  and skepticism is the ethical position to adopt“



möchte ich an den Schluss meiner  Aufzeichnungen über die siebte Reise nach Shanghai stellen. Am Dienstag fliege ich zurück nach Deutschland.

Freitag, 13. Mai 2016

13.05.16 – China Art Museum, Liu Kuo-Sung, Father Of Modern Ink-Wash und "Along the River During the Qing Ming Festival"


 Morgens, so gegen 8 Uhr, wenn alle aus dem Haus sind, lese ich in aller Ruhe beim Frühstück die “Shanghai Daily”. Gestern fand ich folgende Ankündigung.


Diese Ausstellung wollte ich gerne noch sehen. Ich nahm also den Shuttle-Bus um 9:05, inzwischen bin ich schon ein alter Hause in der Benutzung der Metro, und war gegen 10:30 Uhr am China Art Museum, drüben in Pudong. 



Das China Art Museum ist wirklich ein beeindruckender Bau, auch wenn man innerhalb des Gebäudes Schwierigkeiten mit der Orientierung hat. Aber davon habe ich ja schon berichtet. Busladungen von Chinesen an Gruppenreisestabbommeln drängten sich mit mir in den Aufzug, der uns in das oberste Stockwerk brachte, wo ich nicht hin wollte. Ich versuchte also wieder nach unten zu kommen, was gar nicht so einfach war. Aber dort war dann Gott sei Dank auch die Ausstellung von Lui Kuo Sung.



Es war eine Art Retrospektive, zeigte viele frühe Arbeiten aber auch Arbeiten der letzten Jahre. Es war interessant zu verfolgen, wie sich sein Werk verändert hat. 


And Down Goes The Water, 1967
60.4 x 98 cm

Midnight Sun No. 11, 1985
184,5 x 632,7 cm
Scource, 1999
1997 x 166 cm
 Dies Arbeit, die so groß ist, das die Höhe der Räume nicht ausreichte, wurde trotzdem sehr interessant präsentiert. Wichtig war, dass man in einer Bilderserie die Entstehung der riesigen Arbeit sehen konnte und ein Foto dabei war, auf dem man sehen konnte, wofür er diese Arbeit gemacht hatte.



Cracking Sound of Ice, 2014
62 x 93.4 cm
Magical Mountain, Snow Valley, Blue Sky,  2015
188,5 x 94,5 cm
In einem informativen Film über sein Werk, der Gott sei Dank mit englischem Untertitel gezeigt wurde, sagt er in einem Interview, dass er immer versucht hätte, seine Arbeiten durch neue Techniken zu verändern. Das wurde in dem Film sehr beeindruckend gezeigt. Für "Cracking Sound of Ice" und "Magical Mountain, Snow Valley, Blue Sky" den beiden letzten Arbeiten, hat er ein spezielles Papier mit dicker aufliegenden Papierfäden benutzt. Diese hat er nach dem Malprozess abgezogen und damit diese Zerklüftungen erreicht.

Ich war wohl zwei Stunden in der sehr umfangreichen Ausstellung.
Dann habe ich die erste „Spicy Noodle Soup“ meines Lebens gegessen, und, man beachte, mit Löffel und Stäbchen. Lecker war die Suppe, wenn auch sehr scharf. Gleich 5 Chilischoten schwammen in der Brühe.



Und weil ich noch Zeit hatte, bin ich dann doch noch einmal ins oberste Stockwerk gefahren. Und hier erlebte ich dann eine große Überraschung.
Wer kennt die Qingming-Rolle „Along the River During the Qingming – Festival“?
„Die Qingming-Rolle ist das berühmteste Bild des chinesischen Malers Zhang Zeduan (1085–1145). Die Bildrolle zeigt das Alltagsleben der Stadt Kaifeng, der Hauptstadt der Nördlichen Song-Dynastie während des chinesischen Totengedenktags Qingming. The painting is considered to be the most renowned work among all Chinese paintings and it has been called China's  Mona Lisa.Wikipedia
Ich hatte noch nie etwas davon gehört und bin nur dem Titel gefolgt. Stutzig machte es mich, dass ich hier Eintritt zahlen sollte, der mir dann aber wegen meines  Alters erlassen wurde. Und was ich sah, war wirklich überwältigend: Eine Multimedia-Show zu diesem Bild.
“Impressive! Must See!  Be sure to not miss the "Along the River During the Qing Ming Festival" multi-media take on China's ancient and most-famous scroll painting. There is a 20rmb (about $3.80) admission but it's well worth it. 128 meters long and 6.5 meters high, this installation is 30 times larger than the ancient original. With hundreds of details to enjoy, this is an animated interpretation of the original. Along the base of the "painting" runs a virtual "river" as an extension of the painting. Done with lighting and sound effects and stretched gauze, you won't be fully convinced at first that it's not real water running along the floor.Tripadvisor





Ja, so war es, wunderschön, ein schöner Abschluss eines wieder sehr interessanten Museumsbesuchs.

Mittwoch, 11. Mai 2016

11.05.16 – Giacometti im Long-Museum

Es gibt eigentlich keine Giacometti Ausstellung, die ich mir entgehen lasse, wenn es möglich ist. Ich liebe Giacometti und das hat auch etwas mit einem Erlebnis vor vielen Jahren zu tun. Ich habe es schon tausend Mal erzählt aber jetzt will ich es auch einmal aufschreiben.
Es war 2002, Titus und Nike waren bei mir in Cuxhaven und wir haben wie immer viel gebastelt. Eines Tages fanden wir am Strand Seegraswurzeln, die aussahen wie die „Nase“ von Giacometti. Wir nahmen sie mit nach Hause und Titus bastelte zwei kleine Skulpturen, „eine für Mama und Papa und eine für Katja“. Als wir dann nach Münster kamen, hatte Titus plötzlich große Bedenken, ob Katja seine Skulptur überhaupt erkennen würde. Er stieg aus, die kleine Skulptur fest in der Hand.  Katja sah sie und rief begeistert: „Oh, ein kleiner Giacometti!“ Das Strahlen auf Titus Gesicht werde ich nie vergessen. Giacometti und dieses Erlebnis gehören für mich einfach zusammen.


Also bin ich heute ins Yuz-Museum gefahren. Die Giacometti-Retrospektive war alsThe World’s Largest  Giacometti’s Retrospective” angekündigt. Ich musste einfach hinfahren.
Da die Metro Haltestelle nicht direkt am Museum ist, musste ich ein Stück am Ufer des Huangpu entlang gehen. Dieses Gebiet, der „West Bund Culture Corridor“ ist im Rahmen der Expo 2010 entwickelt worden. Hier wird wie wild gebaut und jedes Mal gibt es etwas Neues zu sehen. Zuerst gab es nur die Power Station, dann kam das Long Museum dazu und 2014 dann das Yuz Museum. Die Museen reihen sich wie an einer Perlenschnur am Ufer und die Uferpromenade ist wunderschön. Es ist eine Lust dort entlang zu schlendern. Auf dem kurzen Weg zum Yuz Museum kam ich an zwei neuen Institutionen vorbei, dem „Shanghai Center of Photography“ und dem ART WESTBUND.
Im Shanghai Center of Photography, kurz SCOP genannt wurde die Ausstellung „Two Magnum Masters – Barbey & Berry“ gezeigt. Ein tolles Gebäude, eine beeindruckend Ausstellung. Ob es nun eine rein kommerzielle Einrichtung ist, war mir nicht klar.


Bruno Barbey: Zhou Enlai, 
Chinas Primierminister von 1949 bis zu seinem Tod 1976 
auf einer Fahrt mit Frankreichs Präsident George Pompidou auf dem Westsee.              
Das Projekt "Wohnungen für junge Leute" des ART WESTBUND hat mir sehr gefallen



Und dann war ich am Yuz Museum.

"Walking Man" or "Man in Movement"
auch hier das Wahrzeichen der Ausstellung
“The exhibition covers the entire career of Giacometti from the early years, the cubist and surrealist period all the way to the 1960s’ prolific period. Giacometti’s widely acclaimed works, such as portrait drawings, paintings, manuscripts and other archival material, will provide abundant clues for a comprehensive understanding and appreciation of his art. The extremely tiny works that he created in his 23-square-meter studio in Paris and the later works – huge monumental bronze sculptures created for New York Chase Manhattan Plaza, will form strong visual tension in the scene. The existential spirit and humanism conveyed will become the most thrilling part of the exhibition. The exhibition is not only a comprehensive review of the artist`s creation career, but also tries to reflect the culture and life of an exciting era after the war in the 20th century."

Und so war es dann auch. Auf den 3000 m², die das Museum als Ausstellungsfläche zu bieten hat, war das gesamte Werk Giacomettis zu sehen, unglaublich. Die Ausstellung ist von der Giacometti Fondation in Paris ausgeliehen und auch von ihr kuratiert worden. Vieles kannte ich aus Ausstellungen und Büchern, aber es gab auch viele Arbeiten, die ich noch nie gesehen hatte. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus und war restlos begeistert, nicht nur von den ausgestellten Arbeiten sondern auch von der Art der Präsentation. So war z.B. das legendäre Pariser Atelier als Fotomontage in Originalgröße nachgebaut. Man kann es nicht beschreiben. Die Arbeiten waren zeitlich geordnet ausgestellt, so dass es wie ein Gang durch sein Leben war mit hervorragenden Saaltexten.

Hier – aus Begeisterung- die Titel der einzelnen Stationen:
1. A Family of Artists
2. From Cubism to Surrealism
3. Obsessed with heads
4. Illustrating Georges Bataille
5. Creating a myth – Giacometti seen by Photographers
6. A Life in the Studio
7. Into Thin Air – Thinning Down the Figure
8. A Matter of Size
9. Landscapes / Figures as Landscapes
10. On Solid Ground: Fusing with the Plinth
11. The Wife, the Brother, the Lover, the Friend: Models from the
      Inner Circle
12. Paris without End
13. The Human Condition: Meeting Beckett
14. Grappling again with the Real
15. Project for the Chase Manhattan Plaza, New York
16. Ways to see Giacometti
17. Projection Room

Fotografieren durfte man nur mit dem Mobil Phone, ich hatte die kleine Sony dabei. Was ein Pech!!
Aber, man hat es zu spät bemerkt. Was ein Glück!!


1. A Family of Artists
Alberto Giacometti als Baby, gemalt von seinemVater

6. A Life in the Studio
Giacomettis Atelier in Paris

13, The Human Condition
Blick in die Ausstellung mit "Die Nase"

"The Nose" 1947
"The motif was inspired by the vision of a death that he witnessed and that left an indelible mark on his mind. This grotesque and almost carnevalisque  head recouts the horror triggered by the vision and, what's more, the redicue of all existence, conveyed by the cage around it."


"Man in Movement" 1960
"At the invitation of his art dealer Pierre Matisse, Giacometti worked on a commission to create a monument for Chace Manhattan Bank in New York. Among other statues he proposed the large Walking Man, witch would never be installed, as the artist decided not to take part in the contest. However a version of the statue was unveiled at the Venice Biennale in 1962, and found an ideal setting in the sun-drenched courtyard of the Maeght Foundation that was virtuelly custom-built."


Giacometti Café

Nach einer Pause im  Giacometti Café  bummelte ich bei herrlichstem Wetter am Huangpu entlang Richtung Long Museum und fand Shanghai wunderschön.





Huangpu bei Ebbe, mit einem Reiher

Skulpturen auf der Uferpromenade des Flusses






The Maritime Tower
Und dann habe ich auf den Weg zur Metro das kleine Mädchen "getroffen", das mir auf dem Hinflug die Zeit vertrieben hat.