Mittwoch, 11. Mai 2016

11.05.16 – Giacometti im Long-Museum

Es gibt eigentlich keine Giacometti Ausstellung, die ich mir entgehen lasse, wenn es möglich ist. Ich liebe Giacometti und das hat auch etwas mit einem Erlebnis vor vielen Jahren zu tun. Ich habe es schon tausend Mal erzählt aber jetzt will ich es auch einmal aufschreiben.
Es war 2002, Titus und Nike waren bei mir in Cuxhaven und wir haben wie immer viel gebastelt. Eines Tages fanden wir am Strand Seegraswurzeln, die aussahen wie die „Nase“ von Giacometti. Wir nahmen sie mit nach Hause und Titus bastelte zwei kleine Skulpturen, „eine für Mama und Papa und eine für Katja“. Als wir dann nach Münster kamen, hatte Titus plötzlich große Bedenken, ob Katja seine Skulptur überhaupt erkennen würde. Er stieg aus, die kleine Skulptur fest in der Hand.  Katja sah sie und rief begeistert: „Oh, ein kleiner Giacometti!“ Das Strahlen auf Titus Gesicht werde ich nie vergessen. Giacometti und dieses Erlebnis gehören für mich einfach zusammen.


Also bin ich heute ins Yuz-Museum gefahren. Die Giacometti-Retrospektive war alsThe World’s Largest  Giacometti’s Retrospective” angekündigt. Ich musste einfach hinfahren.
Da die Metro Haltestelle nicht direkt am Museum ist, musste ich ein Stück am Ufer des Huangpu entlang gehen. Dieses Gebiet, der „West Bund Culture Corridor“ ist im Rahmen der Expo 2010 entwickelt worden. Hier wird wie wild gebaut und jedes Mal gibt es etwas Neues zu sehen. Zuerst gab es nur die Power Station, dann kam das Long Museum dazu und 2014 dann das Yuz Museum. Die Museen reihen sich wie an einer Perlenschnur am Ufer und die Uferpromenade ist wunderschön. Es ist eine Lust dort entlang zu schlendern. Auf dem kurzen Weg zum Yuz Museum kam ich an zwei neuen Institutionen vorbei, dem „Shanghai Center of Photography“ und dem ART WESTBUND.
Im Shanghai Center of Photography, kurz SCOP genannt wurde die Ausstellung „Two Magnum Masters – Barbey & Berry“ gezeigt. Ein tolles Gebäude, eine beeindruckend Ausstellung. Ob es nun eine rein kommerzielle Einrichtung ist, war mir nicht klar.


Bruno Barbey: Zhou Enlai, 
Chinas Primierminister von 1949 bis zu seinem Tod 1976 
auf einer Fahrt mit Frankreichs Präsident George Pompidou auf dem Westsee.              
Das Projekt "Wohnungen für junge Leute" des ART WESTBUND hat mir sehr gefallen



Und dann war ich am Yuz Museum.

"Walking Man" or "Man in Movement"
auch hier das Wahrzeichen der Ausstellung
“The exhibition covers the entire career of Giacometti from the early years, the cubist and surrealist period all the way to the 1960s’ prolific period. Giacometti’s widely acclaimed works, such as portrait drawings, paintings, manuscripts and other archival material, will provide abundant clues for a comprehensive understanding and appreciation of his art. The extremely tiny works that he created in his 23-square-meter studio in Paris and the later works – huge monumental bronze sculptures created for New York Chase Manhattan Plaza, will form strong visual tension in the scene. The existential spirit and humanism conveyed will become the most thrilling part of the exhibition. The exhibition is not only a comprehensive review of the artist`s creation career, but also tries to reflect the culture and life of an exciting era after the war in the 20th century."

Und so war es dann auch. Auf den 3000 m², die das Museum als Ausstellungsfläche zu bieten hat, war das gesamte Werk Giacomettis zu sehen, unglaublich. Die Ausstellung ist von der Giacometti Fondation in Paris ausgeliehen und auch von ihr kuratiert worden. Vieles kannte ich aus Ausstellungen und Büchern, aber es gab auch viele Arbeiten, die ich noch nie gesehen hatte. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus und war restlos begeistert, nicht nur von den ausgestellten Arbeiten sondern auch von der Art der Präsentation. So war z.B. das legendäre Pariser Atelier als Fotomontage in Originalgröße nachgebaut. Man kann es nicht beschreiben. Die Arbeiten waren zeitlich geordnet ausgestellt, so dass es wie ein Gang durch sein Leben war mit hervorragenden Saaltexten.

Hier – aus Begeisterung- die Titel der einzelnen Stationen:
1. A Family of Artists
2. From Cubism to Surrealism
3. Obsessed with heads
4. Illustrating Georges Bataille
5. Creating a myth – Giacometti seen by Photographers
6. A Life in the Studio
7. Into Thin Air – Thinning Down the Figure
8. A Matter of Size
9. Landscapes / Figures as Landscapes
10. On Solid Ground: Fusing with the Plinth
11. The Wife, the Brother, the Lover, the Friend: Models from the
      Inner Circle
12. Paris without End
13. The Human Condition: Meeting Beckett
14. Grappling again with the Real
15. Project for the Chase Manhattan Plaza, New York
16. Ways to see Giacometti
17. Projection Room

Fotografieren durfte man nur mit dem Mobil Phone, ich hatte die kleine Sony dabei. Was ein Pech!!
Aber, man hat es zu spät bemerkt. Was ein Glück!!


1. A Family of Artists
Alberto Giacometti als Baby, gemalt von seinemVater

6. A Life in the Studio
Giacomettis Atelier in Paris

13, The Human Condition
Blick in die Ausstellung mit "Die Nase"

"The Nose" 1947
"The motif was inspired by the vision of a death that he witnessed and that left an indelible mark on his mind. This grotesque and almost carnevalisque  head recouts the horror triggered by the vision and, what's more, the redicue of all existence, conveyed by the cage around it."


"Man in Movement" 1960
"At the invitation of his art dealer Pierre Matisse, Giacometti worked on a commission to create a monument for Chace Manhattan Bank in New York. Among other statues he proposed the large Walking Man, witch would never be installed, as the artist decided not to take part in the contest. However a version of the statue was unveiled at the Venice Biennale in 1962, and found an ideal setting in the sun-drenched courtyard of the Maeght Foundation that was virtuelly custom-built."


Giacometti Café

Nach einer Pause im  Giacometti Café  bummelte ich bei herrlichstem Wetter am Huangpu entlang Richtung Long Museum und fand Shanghai wunderschön.





Huangpu bei Ebbe, mit einem Reiher

Skulpturen auf der Uferpromenade des Flusses






The Maritime Tower
Und dann habe ich auf den Weg zur Metro das kleine Mädchen "getroffen", das mir auf dem Hinflug die Zeit vertrieben hat.






Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen