Samstag, 14. Mai 2016

14.05.16 – Huang Yongping – Bâton Serpent III: Spur Track to the Left

Heute, am Samstagnachmittag, wollten Sabine, Alex und ich uns die Ausstellung von Huang Yongping in der Power Station of Art ansehen. Alex entschied sich dann allerdings doch für eine Jogging-Runde am Ufer des Huangpu, aber Sabine und ich sahen uns die Ausstellung an. Schon beim Betreten der Ausstellung hatte ich das Gefühl, dass mir irgendetwas bekannt vorkam, aber ich wusste nicht was. Erst als wir uns die Zeichnungen zu seinen Projekten ansahen, ging mir ein Licht auf. Bei den Skulpturprojekten Münster 1997 hatte ich die Arbeit  „100 Arms of Guan-yin“ von ihm gesehen und 2012 hier in der Powerstation seine riesige Arbeit „Thousand Hands Kuanyin“. 


„100 Arms of Guan-yin“ , Münster 1997
Ist das nicht erschreckend? Liegt es an den chinesischen Namen, die ich mir nicht merken kann oder….?

Auf jeden Fall ist diese Ausstellung sehr beeindruckend aber vor allen Dingen verstörend.

Kaum hat man die Powerstation betreten, steht man vor der raumfüllenden Arbeit „Head“. Aus einem halben Eisenbahnwaggon, der schräg in den Raum gestellt ist, sind 40 kopflose Tiere entwichen, die„orientierungslos“ auf dem Gleis und im Raum stehen. Ein ebenfalls kopfloser Bär steht an einer Weiche, so als könne er die auf links gestellte Weiche jeden Augenblick auf rechts stellen. Wie der Kurator schreibt, soll die Installation die Krise verdeutlichen, in der sich die Welt befindet.



"Head" ist die die Fortsetzung der Arbeit "Leviathanation", die er 2011 in Beijing gezeigt hat.




Von hier aus kommt man in den zweiten Raum, in dem ein Zirkuszelt mit Bambusstangen angedeutet ist, „Circus, 2012“. Aus der Spitze heraus bewegt eine überdimensionale, wunderschöne hölzerne Hand eine Affenmarionette, die auf der zweiten, zertrümmert am Boden liegenden Hand sitzt. Sie führt eine zweite Marionette, Affe oder Mensch,  nicht leicht zu erkennen. Auch hier sind es die kopflosen Tiere, die in alle Richtungen zu fliehen scheinen.







Sie führen auf die dritte Arbeit hin, die am Ende des Raumes steht, „Bugarach, 2012“. Der Bugarach ist einer der Berge der französischen Pyrenäen, von dem lange behauptet wurde, dass es der einzige Platz auf der Erde wäre, an dem man den für den 12. Dezember 2012 erwarteten Weltuntergang überleben könne. In diesem Berg steckt ein riesiger flacher Teller mit Tierköpfen, so als hätte man sie dem Berg als Opfer präsentiert.




Seht ihr das Katzenköpfchen? Nike war entsetzt!


Im letzten Raum der Ausstellung wird das Thema mit der Arbeit „Chef, 2012“ noch einmal aufgegriffen. Ein Dutzend ausgestopfter Tierköpfe sind der Größe nach auf einem langen Eisenspieß, der aus der Wand ragt, aufgespießt. Die Spitze, mit dem kleinsten Tier angefangen, stößt in eine rote Wand, einer Blutwand?



Dazwischen reihen sich Installationen wie  „The Pentagon, 2007 – 2010“, „Abbottabad, 2013“ und „Construction Site, 2006“. "Construction Site" entstand für die 10. Biennale Istanbul 2006. Von „Construction Site“ sieht man, wenn man in den Raum kommt, nur eine Spitze, die über einen Bauzaun ragt. Ist es eine abschussbereite Rakete, hinter einer schweren Abdeckung versteckt? Tritt man hinter die Abdeckung, so steht man vor den Turm eines Minaretts, der schräg auf ein Gerüst montiert ist. Wird das Minarett aufgerichtet oder.....? Die augenblickliche Weltlage lässt eigentlich nur eine Interpretation  zu.





Und dann gab es in der Vitrine, in der seine Projektentwürfe gezeigt wurden, noch diesen Hinweis auf eine Arbeit, die mich in Hinblick auf Palästina interessiert hat.









Im Ganzen werden 25 Arbeiten von Huang Yongping gezeigt, die über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten entstanden sind.
„In the process, the whole exhibition becomes an immense „hunting field“, in which humans, while fighting with each other, encounter and wrestle with all kinds of animals – real or imagined, and products – real or fantastic, man-made or naturally rendered. It’s a sublime picture of the world, at once alarming and exciting.” so Hou Hanu, der Kurator der Ausstellung.


Schön war dann der Abschluss des Tages mit dem Abendessen in den „Cool Docks“ und einem Drink auf der Dachterrasse des Hotels „Indigo Shanghai on the Bund“ mit dem herrlichen Blick über den nächtlichen Huangpu.


Blick auf den Huangpu und Pudong
Jinmoa Tower,  Shanghai Tower und Shanghai World Financial Center

Die Botschaft von Huang Yongping

„Change is the truth of life, 
  and skepticism is the ethical position to adopt“



möchte ich an den Schluss meiner  Aufzeichnungen über die siebte Reise nach Shanghai stellen. Am Dienstag fliege ich zurück nach Deutschland.

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