Sonntag, 11. Juni 2017

11.06.2017 – Lebwohl Shanghai

Um 19:00 Uhr stand das Taxi vor der Tür, das uns mit den Katzen zum Flughafen bringen sollte.
Der Katzentransport lag Sabine schon seit Wochen schwer im Magen. Der Gedanke, dass sie die Katzen für den Security             -Check aus den Tragetaschen nehmen müsste, weil auch die Taschen durchleuchtet werden würden, ließen sie das Schlimmste befürchten. Was, wenn ihr Josh entwischte!?!?
Für 10 Uhr war die Ayi noch einmal bestellt worden. Sie sollte ein Abschiedsgeschenk bekommen und eine Gratifikation. Die Höhe der Gratifikation für eine Ayi ist eine „never ending story“, denn es gibt keine verbindlichen  Vorgaben.  Dass eine Ayi ihren Lohn bis zum letzten Tag bekommt, ist selbstverständlich, auch noch für den Rest des Monats, wenn man mitten im Monat abreist oder auch noch für einen zusätzlichen Monat, bis sie wieder einen neuen Job gefunden hat. Aber  ist es wirklich selbstverständlich, dass sie für jedes Jahr, das sie in der Familie gearbeitet hat, einen zusätzlichen Monatslohn bekommt? Hier gibt es keine festen Regelungen.
Schon am Samstagabend hatten wir alle Sachen, die sich noch im Haus befanden, in die Garage gestellt, wo sich zuerst die Ayi und dann die Leute vom Property-Management alles mitnehmen sollten, was sie gebrauchen könnten. Die Ayi brachte ihren Mann mit und sie konnten tatsächlich vieles gebrauchen. Gott sei Dank entschloss sich das Property-Management anschließend, alles abzuholen was noch da war um es dann später zu verteilen. Schnell war die Garage leer. Viele Sachen, die nicht mit nach Budapest gehen sollten oder konnten, so eine große Wohnung, gar ein Haus, würden sie nie mehr haben,  hatte Sabine in der Expat-Community für einen Appel und ein Ei verkaufen können. Am Nachmittag brachte dann Nike auch noch Sabines geliebten Scooter weg.



Laura  ließ die von allen bewunderten Palmen abholen,




Sergio kam mit dem Rad vorbei und nahm alle Farne mit, 



und der Landlord kam und nahm das Haus ab. Die Katzen wurden rechtzeitig in ihre Transportkisten gelockt, 



das Taxi kam, der Abschied war gekommen.

In Pudong lief auch alles glatt. Die Papiere der Katzen, einschließlich  der Reisepässe für die Katzen, wurden akzeptiert und nach dem Sabine für jede Katze die obligatorischen 100 $ Ausfuhrsteuer bezahlt hatte, stand nur noch eine Hürde bevor. Wie würden die Katzen den Security-Check  überstehen? Es stellte sich heraus, dass Wolfs Tipp, eine dritte Tragetasche zu erwerben, um Josh dort zwischenzuparken, sehr gut gewesen war. Als auch das geschafft war,  fielen die Sorgen von Sabine ab. Jetzt konnte die Reise beginnen.
Sabine und Nike flogen via Frankfurt nach Budapest, ich nur nach Frankfurt.

Ob ich wohl jemals wieder nach Shanghai kommen werde?
Ein bisschen traurig bin ich schon.




Der Lotus blühte zum Abschied besonders schön.





Freitag, 9. Juni 2017

09.06.2017 – Ein Indischer Abend

Am Vormittag kam Nike gut erholt von ihrer Abschlussfahrt nach Bali  zurück. 








Sie schlief ein bisschen um sich anschließend wieder mit ihren Freunden zu treffen. Jetzt ist jede Minute kostbar. Nur noch drei Tage Shanghai, dann trennen sich ihre Wege.

Sabine und ich waren bei Anuja und ihrer Familie zum Abendessen eingeladen. Anuja leitet das Community-Center, für das Sabine vor fünf Jahren gearbeitet hat, als sie gerade nach Shanghai gekommen war.
Anuja mit ihrer Familie

Anuja ist Inderin und sie hatte sich vorgenommen, Sabine zum Abschied ein komplettes indisches Essen zu servieren. Es war köstlich. Leider habe ich mir die Namen der vielen indischen Speisen nicht gemerkt.




Aber dann kamen wir auf die generellen Essgewohnheiten der Inder zu sprechen und das war interessant. Anuja kocht jeden Morgen für ihren Mann Lunch, den er dann mit ins Büro nimmt. Ich musste sofort an den Film „Lunchbox“ denken, den ich vor einiger Zeit mit Vergnügen gesehen habe. 



Seltsam, wie plötzlich etwas Realität wird, was man nur aus einem Film kennt  und was einem immer etwas irreal vorgekommen ist. Also, Anuja steht jeden Morgen so rechtzeitig auf, dass sie für ihren Mann ein komplettes Essen frisch kochen kann. Essen vom Vortag mitzunehmen ist undenkbar. Das fertige Essen, bestehend aus vier Gängen, wird in kleine Edelstahlgefäße gefüllt, die dann in einem Behälter verstaut werden, der heute über einen Elektroanschluss verfügt, eben die sogenannte Lunchbox. Eine Stunde  vor Beginn der Mittagspause wird die Lunchbox an die Steckdose angeschlossen, so dass das Essen rechtzeitig warm ist. Welch ein Luxus oder…?


Moderne Standard - Lunchbox mit Elektroanschluss

Luxusausgabe - Lunchbox mit integrierter Heizplatte

 Anujas Mann, Samir, führte uns verschiedene Modelle vor, die er im Laufe der Zeit angeschafft hatte. Ich war fasziniert.

Es war ein sehr interessanter Abend.

Mittwoch, 7. Juni 2017

07.06.2017 – Schwierige Entscheidungen

Was sollte ich heute machen? Einen Spaziergang durchs Französische Viertel oder einen Bummel entlang des Sozou- Flusses oder einen Ausstellungsbesuch im MOCA.
Ich konnte mich nicht entscheiden. Noch im Taxi war ich fest entschlossen, heute noch einmal ins Propaganda-Museum, zu Madame Mao`s Dowry, ins Arts & Crafts Museum und zur Chinese  Hand Printed Blue Nankreen Company im Französischen Viertel zu gehen, wo ich für Katja Stoffe kaufen sollte. Aber dann, in der Metro, schien es mir doch vernünftiger, noch den Spaziergang entlang des Suzhou-Flusses zu machen, den ich schon seit langem machen wollte. Und dann bin doch spontan am People Square ausgestiegen und ins MoCA gegangen, wo die Ausstellung „Energy Field – Transmedia Art Exhibition“ gezeigt wurde, die Katja und Jojo schon in der letzten Woche gesehen hatten.
Schon der Weg von der U-Bahn Station durch den Park zum Museum war eine Freude: Der See mit den Seerosen, die vielen gelassenen Menschen, die Männer und Frauen, die Tai Chi  machten und die Bäume als Sportgeräte benutzten und die Gruppe, die sich um den  Musikanten mit dem Zupfinstrument  scharte und leise dazu sang. Es war eine sehr friedlich Atmosphäre mitten im morgendlichen Großstadtgewühl.





Das Foto hat Jojo gemacht, als sie im MoCa waren



Die Ausstellung hat mir gut gefallen obwohl alle Videos in Chinesisch waren. Aber man bekam eine Idee von der Vielfalt der Beiträge. Die Ausstellung begann mit Beträgen von Altmeistern dieser Kunstrichtung: Beuys, KPBremer und F.E. Walter. Das war schön. Die Fotoserie von Joseph Beuys am Strand, die ich noch nie gesehen hatte,  hat mir besonders gut gefallen. 






Gefallen hat mir auch die Videoaufzeichnung „I“ Fantasie – Recontre between Debussy and Du Lin Niang.




Anschließend bin ich die Nanjing-Road zum Bund hinunter gebummelt. Inzwischen war es wieder so heiß, es waren bestimmt 33°C., dass man automatisch Schatten suchte.  


Schön, dass mein kleines Mädchen mich auf dem Weg begleitete.
Heute war die Sicht nicht mehr so gut wie an den Tagen zuvor und ich dachte, ich würde noch in ein Gewitter kommen. Aber es blieb den ganzen Nachmittag über  schwülheiß und trocken. 


Monument to the People's Heroes


Blick über die Schauwand des War Memorials auf den Pearl Tower
Nach einem kurzen Abstecher ins Bund Historical Museum unter dem Monument für die Volkshelden, das dringend einer Modernisierung bedarf, betrat ich zum ersten Mal die Garden Bridge, eigentlich eine ganz normale Stahlbrücke, würde sie nicht in der Geschichte Shanghais eine wichtige Rolle spielen.


Hochzeitsfotos werden mit Vorliebe hier gemacht.
Langsam wurde ich müde, aber ich hatte mir fest vorgenommen, wenigstens noch ins Postmuseum zu gehen, vor allen Dingen, weil man von der Dachterrasse aus so einen fantastischen Blick auf den Bund und den Suzhou Fluss haben soll. Aber heute war Mittwoch und da bleibt die Dachterrasse geschlossen. 


Shanghai Post Office

Na ja, jetzt reichte es und ich fuhr nach Hause mit Metro und Taxi. Dank Nike geht das überraschend gut.  Ich wurde sofort mitgenommen und konnte nur noch den Streit zwischen einem Taxifahrer und einem farbigen Ehepaar beobachten. Warum es ging, weiß ich nicht.

Montag, 5. Juni 2017

03.06. – 06.06. – Erste Abreisen und Move

Nachdem am Samstagmorgen Katja, Jojo, Ute und Wolf abgefahren waren, sie hatten sich entschlossen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Flughafen zu fahren (Taxi, Metro, Maglev), 


Maglev - Geschwindigkeitsanzeige

haben Sabine und ich mit den Umzugsvorbereitungen begonnen. Bei jedem Gegenstand musste entschieden werden, ob er mitgenommen werden soll oder nicht, alles musste noch einmal gespült oder gewaschen werden. Auf jeden Fall waren wir bis Montagmorgen beschäftigt.
Von der Einladung zur Beachparty über den Dächern der Fashionpark - Mall, zu der Sabine am Samstagabend eingeladen war, habe ich nur ein paar interessante Fotos mitbekommen. Ich war viel zu müde um mitzugehen. 




Die Aussicht über Shanghai muss traumhaft gewesen sein.





Für Montag und Dienstag war Regen angesagt, der am Montag auch pünktlich um 10:00 Uhr einsetzte und sich bis zum Abend zu sintflutartigen Wolkenbrüchen steigerte. Am Dienstag war das Wetter wieder stabil, Gott sei Dank.
Pünktlich waren auch die Mover von Crown Relocations, die mit dem größten  Truck vorfuhren, der hier im Compound überhaupt
möglich war.







Die Zeit bis der Truck richtig eingeparkt ist, kann man noch für ein paar TaiChi Übungen nutzen.

Das waren wirklich Spezialisten. Man konnte nur staunen, mit welcher Routine sie das Haus in Bereiche aufteilten, wie sachkundig jeder Gegenstand, sei es nun ein Glas, ein Bild oder das Klavier verpackt wurde und mit welcher Ruhe und Geschwindigkeit das geschah. 



Für das Klavier und für die Bilder und Spiegel wurden große Kisten gebaut. Es war spannend, zuzusehen. 



Natürlich hatte jeder der Männer seine obligatorische Teeflasche dabei, die regelmäßig  am Water-Dispender von Midea aufgefüllt wurde.  Eine einstündige Mittagspause war obligatorisch und am Dienstag gehörte sogar ein Mittagsschläfchen dazu.  In Reih und Glied lagen die Mover im Wohnzimmer auf Pappkartons und schliefen. Ich glaube, nur so lässt sich ein solcher Job durchhalten.



Als sie am Dienstag, pünktlich um 16:00 Uhr, wie geplant,  das Haus verließen, war das Haus leer, bis auf drei Matratzen, zwei Umzugskartons als Tischchen und den alten Campingstühle aus Rochester. 


Calmly waiting to be packed.
Erst ganz zum Schluss haben  sie den Buddha verpackt. Warum wohl?

Die Katzen, die sich am Sonntag in der Tierklinik noch einem Bluttest hatten unterziehen lassen müssen,  fügten sich in ihr Schicksal und ließen sich an beiden Tagen in einen Raum einsperren. Dort saßen sie und maunzten jämmerlich. 

Freitag, 2. Juni 2017

02.06.2017 – Rockbundmuseum und Yu-Garden

Zum Abschluss unserer gemeinsamen Zeit in Shanghai hatten wir den Besuch des Rockbundmuseums und des Yu-Gartens geplant. Und dieser Tag war wirklich besonders schön.

Im Rockbund-Museum wurde die Ausstellung  „ I don‘t know the Mandate of Heaven“ des chinesischen Künstlers Song Dong gezeigt. Ich hatte den Namen noch nie gehört, obwohl er sogar auf der documenta ausgestellt haben soll. Es war, wie es im Flyer heißt, die größte Einzelausstellung des Künstlers in „Mainland China“, eine Ausstellung, die sich über die sieben Etagen des Museums ersteckte und jede Etage unter ein bestimmtes Motto stellte: 


Jíng (Mirrors)

Mirror Hall (2016 - 2017)
The Use of Uselessness - Bottle Rack Big Brother (2016)
Yîng (Shadow)

Yán (Word)



Mantra without Words (2006 - 2017)

Jué (Revelation)
Lì (Experience)
 Wô (Self)




At Fifty, I Don't know the Mandate of Heaven (2016 - 2017)
Diese besonders schöne Installation besteht aus 50 Puppen, die sich auf seine Kindheitserinnerungen beziehen. 



Míng (Illumination)


Ich versuche es durch ein paar Fotos zu veranschaulichen. Sie bezog sich auf die Maxime von Konfuzius „ At 50, I knew the mandate of heaven“. Ein Ausspruch, der sich auf die traditionelle Idee vom Leben als  einer individuellen Reise bezieht. Auf jeden Falle heißt es im Flyer so.

Obwohl es sehr heiß war, bummelten wir anschließend am Bund entlang zum Yu-Garden. 



Die Sicht war außergewöhnlich gut, so dass wir das herrliche Panorama von Pudong noch einmal genießen konnten. 



Gestärkt durch ein leckeres Essen in einem der vielen Straßenrestaurants, konnten wir dann den Yu-Garden genießen. 







 Es ist vielleicht etwas  vermessen, aber für mich ist der Yu-Garden die schönste klassische Gartenanlage. Ich könnte dort Urlaub machen. Es ist ein Traum.